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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2008 Aktuelle Analyse: Mittelstand in Österreich

Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich

Finanzkrise ergreift Mittelstand

Wien, 12.11.2008

Die Finanzmarktkrise mit ihren weltweiten Auswirkungen hat auch Spuren im Mittelstand hinterlassen. Waren die Unternehmer vor einem Jahr so optimistisch gestimmt wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, geben die Bewertungen aktuell doch deutlich nach. Insbesondere die Zukunftsperspektiven fallen sehr verhalten aus. Doch es gibt auch Gutes zu berichten: So zeigt sich die Bauwirtschaft erstaunlich robust und die Investitionsbereitschaft unter den österreichischen Unternehmen ist nach wie vor hoch.

Die Stimmung im Mittelstand hat sich weniger deutlich eingetrübt: Gaben im vergangenen Herbst zwei Drittel (66,4 Prozent) der Befragten der Geschäftslage ihres Unternehmens die Noten sehr gut oder gut, so sind es aktuell noch 58,7 Prozent. Die Zahl der Unternehmen, die mit mangelhaft oder ungenügend urteilen verdoppelte sich hingegen auf 8,0 Prozent (Vorjahr: 4,1 Prozent).

Bau trotzt dem Abwärtstrend

Die Umsatzergebnisse haben sich verschlechtert: Konnten im Herbst 2007 mehr als die Hälfte (54,4 Prozent) der Befragten auf gestiegene Umsätze verweisen, so sind es jetzt nur noch 39,5 Prozent. Knapp jedes zehnte Unternehmen leidet unter Umsatzeinbrüchen (19,3 Prozent; Vorjahr: 11,8 Prozent). Unbeeindruckt von Umsatzeinbußen zeigt sich allein die Bauwirtschaft: Zwar stieg auch hier der Anteil an Betrieben, die Rückgänge zu verkraften haben (von 7,8 auf 10,9 Prozent) an, allerdings stieg auch die Zahl der Baubetriebe, die auf mehr Umsatz als noch vor einem Jahr verweisen können, und zwar von 46,9 auf aktuell 48,2 Prozent.

Aktuelle und künftige Personalsituation bricht ein

30,6 Prozent der Unternehmen haben innerhalb des vergangenen halben Jahres ihren Personalbestand ausbauen können. Das waren exakt zehn Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr. 14,7 Prozent hingegen mussten sich von Mitarbeitern trennen – im Herbst 2007 waren es 10,6 Prozent. Innerhalb des kommenden halben Jahres wollen nur noch 16,1 Prozent Personalneueinstellungen vornehmen. Vor einem Jahr waren es noch knapp zehn Prozentpunkte mehr, nämlich 25,8 Prozent. 17,7 Prozent rechnen damit, ihren Personalbestand verkleinern zu müssen – das sind sieben Prozentpunkte mehr als im vergangenen Herbst.

Auch die Ertragserwartungen im Mittelstand haben merklich nachgegeben. So sehen sich aktuell nur noch 30,7 Prozent der Unternehmen in der Lage, mehr Erträge zu erwirtschaften, nachdem es im Herbst 2007 noch 45,9 Prozent gewesen waren. Ertragseinbußen befürchtet mehr als jeder vierte Betrieb (26,6 Prozent) – im Vorjahr waren es nur 12,4 Prozent. Damit fällt die Saldenkennziffer der Ertragsperspektiven von 33,5 auf 4,1 Prozent.

Investitionsbereitschaft geht nur leicht zurück

Die Investitionsbereitschaft der befragten mittelständischen Betriebe in Österreich hat sich nur leicht verschlechtert. Gaben im vergangenen Jahr 58,3 Prozent der Unternehmen an, innerhalb der kommenden sechs Monate Investitionen tätigen zu wollen, so sind es aktuell 3,2 Prozentpunkte weniger, nämlich 55,1 Prozent. Weiter positiv anzumerken ist, dass sich die Zahl der Unternehmen, die in die Erweiterung ihres Betriebes investieren wollen, nur leicht von ehemals 48,9 auf 47,5 Prozent sank. Das ist in Zeiten konjunkturellen Abschwungs eher ungewöhnlich, weil in der Regel dann nur noch die unbedingt notwendigen Ersatzinvestitionen vorgenommen werden. Investitionen in den Ersatz alter Anlagen und Maschinen planen denn auch 67,1 Prozent (Vorjahr: 62,3 Prozent).

Die Zahl der hohen Forderungsverluste von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz ist leicht rückläufig und beträgt heuer 8,1 Prozent nach 8,4 Prozent im Herbst 2007. Der Bau und die Dienstleistungsunternehmen konnten ihre hohen Ausfälle im Jahresverlauf reduzieren: Während es im Bau von ehemals 11,7 auf 7,7 Prozent nach unten ging, leiden aktuell nur noch 9,1 Prozent der Dienstleistungsbetriebe unter Forderungsausfällen von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz (Vorjahr: 13,4 Prozent).

Die Unternehmensinsolvenzen sind in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres noch einmal zurückgegangenen – allerdings zeigt der Rückgang bereits Bremstendenzen. So war im vergangenen Jahr noch eine Abnahme um 4,0 Prozent zu konstatieren gewesen, während die aktuelle Abnahme nur noch 0,7 Prozent beträgt. 4.805 Heimgänge wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 gezählt – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 4.841 Insolvenzen.

Eigenkapital ohne große Veränderung

Die Zahl der ausreichend kapitalisierten Betriebe (mehr als 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme) stieg im Jahresverlauf leicht um 0,9 Prozentpunkte auf 34,2 Prozent an. Unterkapitalisiert (weniger als zehn Prozent Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme) sind nur noch 23,2 Prozent der Befragten, nachdem es vor einem Jahr noch 0,6 Prozentpunkte mehr waren. Allein der Handel konnte die Hochkonjunktur des vergangenen Jahres nutzen, um Eigenkapital aufzubauen: Hier stieg der Anteil der gut kapitalisierten Unternehmen um 2,8 Prozentpunkte auf 41,9 Prozent an. Gleichzeitig nahm die Zahl der unterkapitalisierten Betriebe um 3,4 Prozentpunkte auf 22,0 Prozent ab.

Mehr als die Hälfte (53,3 Prozent) der befragten Unternehmen in Österreich sind in Form von Import, Export oder Direktinvestitionen im Ausland aktiv. Insbesondere die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes (71,9 Prozent) geben an, Auslandsaktivitäten zu betreiben. Immerhin knapp zwei Drittel der Großhändler (64,5 Prozent) handeln ebenfalls mit dem Ausland, wohingegen die Bauunternehmer (14,2 Prozent gaben an, im Ausland aktiv zu sein) eher regional aufgestellt sind.

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